2. Mal Etap


Als wir schon fraglos über uns verfügten
und über Bräuche und ne Liebeswiese,
gingen wir zum zweiten Mal ins Etap rein.
Obwohl sich unsre Körper gern genügten,
du wolltest sie von vorn und, ohne ein
Gewohnheitsrecht, dass ich dich neu erkiese.

Die Teppichauslegware, so verblichen
wie im Gedicht (da war's halt ne Metapher)
nicht sie schien. Das Licht war wie beim ersten Mal.
Mit fünfzig Euro preiswert ward beglichen,
dass wir uns emotio- und hormonal
bewiesen: Nein, wir sind um gar nichts schlaffer.

Ne Stunde für die fünfzig Euro brauchten
wir nur, ne halbe, bis wir runderneuert.
"Komm mit mir und gleich für'n schnellen geilen Fick",
so fordertest du auf. Und ab wir tauchten
in unser Bild im Spiegel. In das Glück,
wie schön die Schönheit unser Blick beteuert.

Das Ausziehn war die Hälfte des Geschehens,
ich hielt mich auf am Ansatz deiner Brüste,
die ich doch nun kenne, aber jetzt mir neu
versprachen über alle Lust des Sehens
hinaus in meiner Hand zu liegen. Scheu
und gierig deckten wir uns unsre Lüste

und unsre Nacktheit auf. Dein Bauch, dein Hintern -
dein Atem, warm an meiner Haut, erregten
mich so sehr, als wär's das erste Mal. So geil
brach's aus uns raus, wie wenn nach schlimmen Wintern
uns drall das Leben sprießt. Und Teil und Teil
vereinten sich, kaum dass ich mich bewegte.
Und dann geschah, was wir im Busen hegten.