Im Tageslicht


Zum zweiten Rendezvous war'n wir im Etap-
Hotel. Der Eintritt schon und Aufgang sahen
wie die Hintertreppe zu 'nem Abstieg aus,
wie statt 'nes Liebesmahles billig Kebab
sich reinzuziehn. Das hätt uns den Garaus
gemacht, da blieb nur übrig: Sich bejahen.

Das Zimmer war so klein und so quadratisch,
am "Kingsizebett" blieb grade mal ne Fuge
aus verblichner Teppichauslegware. Klo
und Dusche eng und schmucklos mathematisch
auf Sparsamkeit und schmal gerechnet. So
lud's uns nicht ein zu Schmuh und zum Betruge.

Wir hörten unsrer Stimmen leisen Hall wie
zurückgeworfen von Beton. Am schmalen
Fenster hing vorm Tageslicht ein Schnapprollo.
Statt Champus gab es Auerbach vom Aldi,
ich hatte Teelichter für'n bisschen Show,
doch ließen wir die Blende hoch. Im kahlen

und hartem Licht wir zogen uns die Kleider aus, und,
nachdem die Plümos weggeschoben, ließen
wir uns auf das Laken nieder. Wie sich nackt
dein Rücken und die Beine streckten, draus rund
dein Po sich wölbte. Uns wurd nicht vertrackt,
was unsre Körper zeigten. Willkommen hießen

wir uns so wie wir waren und entdeckten,
und nahmen uns mit Haut und Haar so selbstver-
ständlich an, gar mehr, als man sich selbst nimmt hin
vorm Spiegel, immer noch. Wir streichelten und leckten
uns unsre Häute glatt. Ein Mokassin
war mir Dein Leib. Und wie der Herbst, der

vom Frühjahr träumt und färbt sich noch mal bunter,
genossen wir die Früchte einer langen
Reife. Nichts sonst taten wir als einfach fik-
ken; staunten ach, wie's drüber ging und drunter.
Wir wehrten uns nicht gegen das Verstrik-
ken ineinander, als wir uns umschlangen.